Von der Schweiz Nach Hong Kong

Von den Schweizer Bergen ans Südchinesische Meer: Am Standort Hongkong hat sich ein länder- und funktionsübergreifendes Team zusammengetan, um die Produktionsabläufe vor Ort zu verbessern. Denn bei steigenden Metall-Leasingraten und zunehmender Konkurrenz ist der Edelmetallmarkt vor allem in Asien in Bewegung. Wer in diesem Umfeld erfolgreich sein will, muss Prozesse und Verfahren kontinuierlich auf den Prüfstand stellen. Gut, wenn man von den langjährigen Erfahrungen eines neuen Konzernmitglieds profitieren kann.

Hongkong wurde für den Handel gegründet, heißt es oft. Als eines der wichtigsten Wirtschaftszentren in Asien ist die Sonderverwaltungszone an der Südküste Chinas für das Edelmetallgeschäft ein bedeutender Standort. Von hier aus werden Kunden aus dem ganzen Kontinent bedient – und das seit 45 Jahren. Doch Tradition schützt nicht vor Innovation. „Wir wollen immer besser werden“, sagt Bertha Cheung, Produktionsleiterin am Werk von Heraeus Precious Metals in Fanling, östlich von Hongkong. „Unser Fokus liegt dabei auf den Themen Lean Production, Umweltschutz und Arbeitssicherheit sowie Kosteneffizienz.“

Expertise nutzen, Risiken vermindern

Schweiz nach Hong Kong

Um Produktionsstandorte weltweit zu unterstützen, hat Heraeus vor einiger Zeit das Supply Chain Excellence Team ins Leben gerufen. Rund 15 Mitarbeiter kümmern sich darum, Prozesse zu verbessern, den Wissens- und Technologietransfer anzuregen und so das Wachstum von Heraeus voranzutreiben. „Wir vernetzen das Know-how innerhalb des Konzerns”, sagt Alexander Kaufmann, Head of Excellence Controlling.

Er hat in den vergangenen zwei Jahren weltweit und geschäftsübergreifend Supply Chain Excellence Module umgesetzt und ist hierfür im Frühjahr 2018 nach Hongkong geflogen. Innerhalb von zwölf Wochen sollten der Ist-Zustand analysiert, ein Umsetzungsplan entwickelt und erste Pilotprojekte auf den Weg gebracht werden. Hauptziel des Moduls war es, die Produktionsleistung zu erhöhen und die Kosten zu verringern.

Das Besondere am Standort Fanling: Weil Platz hier ungemein teuer ist, verteilt sich die Produktionsstraße auf mehrere Etagen. „Schon die Verlagerungen von einigen Geräten führte direkt zu verbesserten Materialflüssen“, erinnert sich Kaufmann. Wo möglich setzte das Team zudem IT-Systeme statt wie bisher papierbasierte Prozesse ein. Das machte zum Beispiel die Warenabgabe schneller und einfacher für die Kunden. Doch auch das Verfahren zur Edelmetallgewinnung selbst bot Optimierungspotenzial. Für die technische Expertise hatte sich das Supply Chain Excellence Team um Alexander Kaufmann Unterstützung aus dem fernen Tessin nach Hongkong geholt. Denn die Goldaufbereitung ist auch das Kerngeschäft des Schweizer Unternehmens Argor-Heraeus, das seit 2017 vollständig zum Konzern gehört. „Unsere Abläufe ähneln sich sehr“, sagt Simone Frigerio, Produktionsleiter von Argor-Heraeus in Mendrisio. „Es fiel uns daher leicht, technologische Ansätze zu identifizieren, die die Produktion effizienter machen – zum Beispiel die Elektrolysemethode zur Goldgewinnung, die wir bereits anwenden.“

Die Erfahrungen, die Argor-Heraeus hier gesammelt hat, sparen den Kollegen in Hongkong vor allem Zeit: Sie können auf bewährte Lösungen zurückgreifen, ohne die mit der Einführung neuer Technologien häufig verbundenen Risiken einzugehen. So hat das Team zum Beispiel eine Maschine zur Goldelektrolyse nach Tessiner Vorbild bauen und nach Hongkong transportieren lassen. Sie soll noch 2019 in Betrieb genommen werden – unter der fachlichen Anleitung der Kollegen von Argor-Heraeus.

Das Team gewinnt

Mit den getroffenen Maßnahmen spart der Standort Kosten beim Chemikalieneinsatz und der Edelmetallfinanzierung und erhöht gleichzeitig die Kapazität. Neben dem wirtschaftlichen Nutzen sehen die Beteiligten aber vor allem im standort-, bereichs- und länderübergreifenden Teamwork einen Erfolg für das Projekt. „Argor-Heraeus dient uns als Vorbild und als Marktstandard für die Verarbeitung von Gold und Silber“, sagt Bertha Cheung. „Wir profitieren von der umfassenden Expertise des Unternehmens.“

Simone Frigerio sieht im gemeinsamen Projekt auch ein positives Zeichen für seine Mitarbeiter in Mendrisio. „Sie geben ihr Wissen gerne weiter – und auch uns hat der Blick von außen geholfen, unsere Routine zu hinterfragen“, sagt er. Der Austausch mit den Kollegen in Hongkong habe das Zugehörigkeitsgefühl zu Heraeus gestärkt. „Wir sind stolz auf unser Schweizer Erbe – aber genauso stolz sind wir, Teil eines starken und internationalen Konzerns zu sein.“