Bio-inspirierte Beschichtungen als Keim-Zerstörer

LipoCoat ist eines von drei Startups, die am diesjährigen Accelerator-Programm von Heraeus teilnehmen. Das Startup hat sich die Infektionskontrolle durch keimabweisende Beschichtungen auf die Fahnen geschrieben – und sich dabei von der Natur inspirieren lassen. Im Interview erläutert Gründer Jasper van Weerd, wie Heraeus seinem Startup dabei hilft, weiter zu wachsen.

Seit 2019 startet Heraeus jährlich sein Accelerator-Programm für Startups. Der Accelerator bietet Startups die Gelegenheit, ihre Ideen und Produkte gemeinsam mit Experten von Heraeus weiterzuentwickeln und zu vermarkten. Dieses Jahr liegt der Schwerpunkt auf den Bereichen Medizintechnik und Sensoren. Insgesamt drei Startups konnten die Heraeus-Jury überzeugen – eines davon ist das niederländische Startup LipoCoat. Das Unternehmen ist ein Nano- und Biotech-Spin-off der Universität Twente und entwickelt bioinspirierte, schadstofffreie Beschichtungen für medizinische Geräte.

Keimfreie Beschichtungen senken Infektionsrisiken und erhöhen Komfort

Schlechte Oberflächeneigenschaften von Medizinprodukten können dazu führen, dass Keime, Bakterien und Verschmutzungen leicht anhaften – mit teilweise lebensbedrohlichen Folgen für Patienten. Die Beschichtungen von LipoCoat verhindern dies, denn das Unternehmen hat sich auf Lösungen für die Infektionskontrolle spezialisiert. Inspiration holte sich das Startup in der Natur: Die neu entwickelte Beschichtung imitiert die Phospholipid-Doppelschicht, die jede Zelle im menschlichen Körper umgibt. Das macht das Produkt absolut biokompatibel. Außerdem verbessert sie Komfort und Leistung der Geräte, etwa bei Kontaktlinsen, Kathetern und Forschungsinstrumenten.

Mit dem Accelerator-Programm von Heraeus erhält das Startup die Chance, seine Produkte weiterzuentwickeln. Was sie sich von der Teilnahme erhoffen und wie die Zusammenarbeit verläuft, erklärt Gründer Jasper van Weerd im Interview.

Warum nehmen Sie am Accelerator-Programm teil?

Wir von LipoCoat haben eine bio-inspirierte Beschichtungstechnologie für mehrere Anwendungen entwickelt. Durch die Teilnahme am Heraeus Accelerator-Programm können wir von dem Wissen und den Erfahrungen des Großunternehmensr profitieren und an weiteren, neuen Anwendungsmöglichen arbeiten.

Wo sehen Sie noch entscheidende Technologie- oder Wissenslücken in der Medizin?

Der Einsatz von Innovationen zur Prävention sollte einen höheren Stellenwert einnehmen. Wir befürworten eine wertorientierte Gesundheitsversorgung, mit dem Fokus auf Behandlungsergebnissen.

Wie verlief die virtuelle Zusammenarbeit im Heraeus Accelerator unter den besonderen Bedingungen der Pandemie?

Da haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Trotz einiger Einschränkungen durch die COVID-19-Pandemie verlief die Zusammenarbeit gut. Wöchentliche Videoanrufe mit dem Heraeus-Team waren eine effiziente und wertvolle Unterstützung.

Wie hat Ihnen der Heraeus Accelerator dabei geholfen, Ihr Produkt weiterzuentwickeln?

Zusammen mit Heraeus Medical Components evaluieren wir unsere Technologie für kardiovaskuläre Anwendungen. Am Ende des Accelerator-Programms wollen wir ein minimal existenzfähiges Produkt präsentieren – also ein Produkt, das ersten Kunden zu Feedbackzwecken zur Verfügung gestellt werden kann. Heraeus bringt sein Know-how und seine Erfahrung beim Testen der Prototypen und bei der Problemlösung ein.

Wie haben Sie persönlich das Programm erlebt, von welchem Angebot haben Sie am meisten profitiert?

Wir sind sehr dankbar für die Möglichkeit, gemeinsam mit Heraeus an einem Katheterprojekt zu arbeiten. Heraeus investiert viel Zeit und Mühe, um uns mit praktischen Ratschlägen zu Forschung und Entwicklung, der Geschäftsentwicklung und zu Investor Relations zu versorgen. Die Möglichkeit, Fragen an einige der erfahrensten Fachleute zu stellen, ist extrem hilfreich für unser Wachstum. Wir würden das Accelerator-Programm auf jeden Fall weiterempfehlen.