Interview mit Robin Kolvenbach über Innovation und Nachhaltigkeit bei Heraeus

Innovationen bringen Fortschritt – aber auch Herausforderungen. In der neuen Serie Heraeus Innovation Experts spricht Heraeus mit Innovations-Experten über aktuelle Trends und deren Auswirkungen auf Unternehmen. Das Thema heute: Wie nachhaltige Innovationen Kundenerwartungen treffen.

Immer mehr Unternehmen treibt die Frage um, wie sie künftig Profitabilität mit einem CO2-Fußabdruck gegen Null verbinden können. Der Schlüssel dazu sind nachhaltige Innovationen, die sich durch bestimmte Methoden und neue Ansätze wie Design Thinking erreichen lassen. Die Global Business Unit Heraeus Precious Metals hat hiermit beispielsweise Ideen für 100 Prozent recycelte Edelmetalle entwickelt, mit denen die chemische Industrie ihre Klimaziele in Zukunft deutlich einfacher erreichen kann. Im Video-Interview erklärt Robin Kolvenbach, Head of Innovation Chemicals bei Heraeus Precious Metals, wie das Unternehmen dabei vorgeht, um Nachhaltigkeitsbedürfnisse seiner Kunden frühzeitig zu erkennen und Geschäftsmöglichkeiten zu realisieren.

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Hallo Robin,

Hallo Sofie,

vielen Dank, dass du dir heute die Zeit nimmst, um über Innovation und Nachhaltigkeit zu sprechen.

Gerne, natürlich,

Du bist Head of Innovation bei Heraeus Precious Metals Chemicals. Was würdest du sagen, welche Methoden du und dein Team im Innovationsprozess anwenden?

Gern geschehen, Sofie. Ich denke, wir müssen zwischen zwei Arten von Innovation unterscheiden. Die eine ist die evolutionäre Innovation und die andere ist die disruptive Innovation. Es gibt einen sehr deutlichen Unterschied zwischen den Methoden.

Bei der evolutionären Innovation gibt es im Wesentlichen zwei Punkte: Erstens eine stark kundengetriebene Innovation. Das bedeutet, dass ein Kunde mit einer bestimmten Anforderung an uns herantritt und wir die bestehende Technologie oder die bestehenden Produkte so verändern, dass sie den Bedürfnissen des Kunden entsprechen.

Der zweite Teil der evolutionären Innovation sind Produktionsverbesserungen. Diese kommen in der Regel direkt aus der Fabrik zu uns. Wir verbessern den Prozess, machen ihn nachhaltiger, kosteneffizienter, energieeffizienter, und geben die Prozessverbesserung dann entsprechend zurück.

Der dritte Teil ist, wie ich schon sagte, die disruptive Innovation. Hier muss man ganz anders vorgehen. Im Prinzip muss man Menschen aus verschiedenen Bereichen - Vertrieb, Produktion, Qualität - aus ihrem gewohnten Arbeitsumfeld herausnehmen, um die Ideen, die sie in ihren Köpfen haben für ganz neue Kundenbedürfnisse zu bekommen, oder besser gesagt, um Kundenbedürfnisse zu befriedigen, und es geht nicht so sehr darum, ob wir die Technologie schon haben oder nicht. Im Prinzip geht es erst einmal darum, was die Bedürfnisse des Kunden sind und wie wir sie befriedigen können.

Und da setzen wir vor allem Methoden wie Design Thinking ein, um neue Ideen von Grund auf zu generieren.

Stichwort Design Think, was war Ihr letztes Projekt und was waren die Ergebnisse?

Zuletzt haben wir uns im Design-Thinking-Prozess mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt und versucht herauszufinden, wie wir, die wir das gleiche Problem haben wie alle unsere Marktbegleiter, nämlich dass wir versuchen müssen, einerseits profitabel zu sein, andererseits aber auch insbesondere unseren Carbon Footprint so schnell wie möglich gegen Null zu bringen. Wie können wir das hinbekommen und gleichzeitig unsere Kunden bei ihren, sagen wir mal, ehrgeizigen Klimaplänen unterstützen.

Das Ergebnis waren acht Value Propositions, die im Wesentlichen das Kundenbedürfnis nach einer Reduzierung des Carbon Footprints adressieren. In einem zweiten Schritt haben wir sie mit unseren Kunden getestet - wir haben rund 50 Kundeninterviews geführt. Daraus haben wir dann zwei Wertversprechen abgeleitet. Diese waren zum einen das Angebot von 100 Prozent nachhaltigen, zum Beispiel recycelten Edelmetallen, mit einem deutlich geringeren Carbon Footprint. Und zum anderen Produkte, zum Beispiel Chemikalien, Vorprodukte, Katalysatoren, die aus diesen hundertprozentig recycelten Edelmetallen hergestellt werden.

Sie haben bereits über Kundengespräche gesprochen. Wie binden Sie konkret externes Feedback und Kundenstimmen in Ihren Innovationsprozess ein?

Wir versuchen, das so früh wie möglich zu tun. Wir müssen hier unterscheiden zwischen, sagen wir, Dienstleistungen und nicht-technischen Angeboten, bei denen man meiner Meinung nach sehr früh Kundenbefragungen durchführen kann, und technischen Angeboten, bei denen man meiner Meinung nach zuallererst zumindest einen Proof of Concept haben muss, dass die Idee, die man hat, wirklich funktioniert, bevor man Kundenfeedback einholt.

Eine der Besonderheiten in unserem Bereich ist, dass wir eine große Anzahl von Kundenbefragungen durchführen müssen. Wir haben etwa 20 Segmente, die wir bedienen, wo die Wertschöpfung sehr unterschiedlich funktioniert und die Angebote, die wir unseren Kunden machen, an diese Wertschöpfung angepasst werden müssen, und da führen wir jetzt zum Beispiel mehr als 50 Kundeninterviews durch, um die gesamte Bandbreite unseres Kundenstamms abzudecken.

Was haben Sie über die Nachhaltigkeitstreiber und -bedürfnisse Ihrer Kunden erfahren?

Wir haben gelernt, dass das Hauptthema für alle unsere Kunden der Kohlenstoff-Fußabdruck ist - also die CO2-Emissionen.

Sie alle haben ziemlich ehrgeizige Klimapläne - sie alle wollen in den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten klimaneutral werden.

Das ist eine große Herausforderung für die meisten Kunden, die ja sehr energieintensiv sind - die chemische Industrie, die wir hauptsächlich beliefern, die sehr energieintensiv ist.

Dementsprechend stehen sie vor großen Herausforderungen, die wir mit unseren Edelmetallen aus recycelten Quellen helfen wollen zu lösen.

Welche Geschäftsmöglichkeiten konnten Sie bei diesen Projekten speziell im Hinblick auf die Nachhaltigkeit erkennen?

Wie ich bereits sagte, geht es um Edelmetalle, die ausschließlich aus recycelten Quellen stammen - also nicht aus der Mine - sondern nur aus Quellen, in denen sie zuvor verwendet wurden. Dadurch kann der Kohlenstoff-Fußabdruck um etwa 95 Prozent oder mehr reduziert werden.

Das hat einen großen Einfluss auf den Fußabdruck unserer Kunden, den so genannten Scope-3, also nicht die direkten, sondern die indirekten Emissionen, bei denen wir unseren Kunden immer noch sehr helfen können, indem wir die Metalle oder ihre Produkte anbieten, die daraus hergestellt werden.

Um vom konkreten Projekt zum Thema Nachhaltigkeit im Allgemeinen zu kommen: Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in Ihrem Innovationsprozess?

Ich würde sagen, dass wir keine Innovationsprojekte mehr durchführen, die nicht irgendeine Art von Nachhaltigkeitsaspekt widerspiegeln, meist gemessen an den SDGs der UN.

Das meiste, was wir tun, führt irgendwie zu effizienteren Prozessen bei uns oder unseren Kunden - also letztlich zu weniger CO2-Ausstoß.

Wir befassen uns aber auch mit dem Thema Hunger, indem wir Katalysatoren zur effektiven Herstellung von Düngemitteln herstellen, die letztlich den Hunger in der Welt bekämpfen können.

Was würden Sie sagen, ist Ihre Einschätzung oder Vision. Wie kann Heraeus Precious Metals Chemicals Nachhaltigkeit im gesamten Ökosystem erreichen?

Meine Vision wäre es, dass Heraeus Precious Metals zum Treiber für Nachhaltigkeit in unserem Geschäftsumfeld wird - sowohl bei unseren Kunden als auch nachgelagert in den Minen. So dass wir es schaffen, den gesamten Kohlenstoff-Fußabdruck in unserer Industrie zu reduzieren und ihn so schnell wie möglich auf Null zu bringen.

Vielen Dank für das Interview, Robin!

Vielen Dank, Sofie.