Einsatz von Knochenzement zur Reduzierung des individuellen Infektionsrisikos

Der Gelenkersatz ist eine der am häufigsten durchgeführten Operationen. Die Vorteile dieser Operation überwiegen meist, doch birgt sie wie jede andere Operation auch Risiken. Der individuelle Gesundheitszustand des Patienten und bestimmte Risikofaktoren können das Ergebnis der Operation beeinflussen. Direkt nach der Operation, aber auch noch Jahre später, kann es durch Infektionen zu ernsten Komplikationen kommen. Um dies vorzubeugen, ist es für Ärzte hilfreich, zunehmend die Vorgeschichte ihrer Patienten zu berücksichtigen. Für ein effektives Infektionsmanagement in der Endprothetik entwickelt Heraeus Medical spezielle Knochenzemente und fördert aktiv den wissenschaftlichen Wissensaustausch auf diesem Gebiet.

Eine aktuelle Entwicklung in der Medizin ist Personalisierung. Das heißt, dass Ärzte neben Alter und Krankheitsbild eines Patienten Veranlagung, Begleiterkrankungen und Vorgeschichte betrachten, um anhand eines individuellen Risikoprofils die richtigen Therapieansätze wählen zu können. So werden nicht nur Nebenwirkungen gesenkt, sondern auch das Risiko von Infektionen oder Folgeschäden. Auch in der Endoprothetik kann ein individuell auf den Patienten zugeschnittenes Vorgehen Vorteile bringen und das Infektionsrisiko reduzieren.

Prothesen und Implantate von Knien oder Hüften haben das Potenzial, die Lebensqualität von Patienten enorm zu steigern. Doch natürlich birgt eine solche Operation auch Risiken. So liegt das Infektionsrisiko nach Ersteingriffen bei bis zu zwei Prozent und steigt auf etwa fünf Prozent bei Revisionseingriffen. Die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik weist darauf hin, dass nicht nur kurz nach der Operation sondern noch Jahre nach der Implantation noch Infektionen auftreten können – und zwar dann, wenn Erreger sich vom Infektionsherd aus über die Blutbahn auf das Implantat ausbreiten und dort vermehren. Besonders hoch ist das Risiko für die Entwicklung einer Infektion nach endoprothetischen Eingriffen für Menschen mit folgenden Faktoren: Übergewicht, Diabetes und Herz- und Gefäß-Erkrankungen. Daher wird vor solchen Eingriffen zunehmend die Vorgeschichte von Patienten betrachtet.

Unser Beitrag: Antibiotikahaltiger Knochenzement für die Knie- und Hüftendoprothetik

Eine Möglichkeit, um Implantate im Gelenk zu verankern, ist die Fixierung mit Knochenzement. Um das Infektionsrisiko zu reduzieren, können dem Zement Antibiotika beigefügt werden. Die im Zement enthaltenen Wirkstoffmoleküle diffundieren aus dem Zement heraus in das umliegende Weichteilgewebe und - je nach Molekülgröße - bis in den Knochen. Dadurch wird verhindert, dass sich Bakterien und Keime am Zement und am Implantat ansiedeln. „Das Implantatumfeld ist also vor Infektionen geschützt, ohne dass Patienten die Nebenwirkungen einer sonst erforderlichen zusätzlichen, mitunter hochdosierten, Antibiotika-Therapie, wie beispielsweise Verdauungs- oder Nierenbeschwerden, zu befürchten haben“, erklärt Lothar Kiontke, Head of Marketing bei Heraeus Medical. „Die speziellen Knochenzemente von Heraeus Medical ermöglichen es daher dem Arzt, auf das individuelle Risiko des Patienten einzugehen.“

Das Thema Infektionsmanagement in der Endoprothetik gewinnt seit einigen Jahren zunehmend an Bedeutung. Noch gibt es keine einheitlichen globalen Standards bei der Vorgehensweise. Um den Erkenntnisstand auf diesem Gebiet zu erweitern und die Entwicklung von Leitlinien beim Thema Infektionsmanagement in der Endoprothetik voranzutreiben, forscht Heraeus Medical weiter an neuen Produkten und unterstützt den wissenschaftlichen Austausch von medizinischen Fachorganisationen und -gremien auf nationaler und internationaler Ebene.