Interview mit Georg Remmers über Innovationskultur

Innovationen bringen Fortschritt – aber auch Herausforderungen. In der Serie Heraeus Innovation Experts spricht Heraeus mit Innovations-Expertinnen und Experten über aktuelle Trends und deren Auswirkungen auf Unternehmen. Das Thema heute: Innovationskultur.

Durch das Aufbauen und Leben von Innovationskultur können Unternehmen die individuelle Kreativität von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern fördern.

Heraeus HR-Experte Georg Remmers begleitet die strategische Transformation und die Förderung von Innovationskultur bei Heraeus. Im Interview erläutert er, warum es eine Innovationskultur braucht und was Unternehmen tun können, um diese aufzubauen. Darüber hinaus erläutert er das Market Driven Innovation Programm von Heraeus.

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Hallo Georg, vielen Dank, dass du dir heute die Zeit nimmst, um mit uns über Innovationskultur zu sprechen.

Hallo Sofie, freut mich auch.

Welche Maßnahmen können Unternehmen durchführen, um ihre Innovationskultur zu stärken?

Zunächst einmal ist es wichtig zu verstehen, dass sich im Bereich Innovation im Moment viel verändert. Die Art und Weise, wie Unternehmen, auch Heraeus, auf Innovation schauen hat sich verändert. Das hat oft mit Unternehmenskultur zu tun. Es geht nicht darum, was wir tun, sondern wie wir es tun.

Da nehme ich mal drei Beispiele. Der erste Punkt ist: Wir schauen bei Innovation vor allen Dingen heute von außen nach innen. Das heißt, wir fangen heute bei den Kunden an. Wir schauen uns an: was machen Kunden, welche Geschäftsmodelle haben sie, wie sieht ihr Wertschöpfungsprozess aus, welche Probleme erleben sie, welche Wünsche haben sie. Erst danach gehen wir zurück ins Unternehmen und entwickeln Ideen, die wir dann eng mit den Kunden weiterentwickeln.

Das Zweite ist: Wir schauen nicht nur auf Produkte, sondern auf Geschäftsmodelle. Das, was am Ende erfolgreich sein muss, ist nicht das Produkt und die Technologie, sondern das Geschäftsmodell. Die Bedürfnisse, die beim Kunden erfüllt werden, die Technologie und letztendlich auch die Wirtschaftlichkeit und Profitabilität des Projektes müssen im Einklang sein. Wir reden hier auch von Monetizing Innovation.

Der dritte Aspekt ist, dass wir heute verstehen, dass wir mehr aus funktionalen Silos herauskommen und funktionsübergreifend zusammenarbeiten müssen. Das Arbeiten in diesen funktionsübergreifenden Teams macht auch mehr Spaß.

Mittelständische Unternehmen gehören zu den Spitzenreitern, was Patentanmeldungen angeht. Ist das Thema Innovationskultur noch wichtig?

Ich glaube schon. Mittelständische Unternehmen, oder mittelgroße Unternehmen, sind die Treiber von Innovation. Das ist eindeutig nachgewiesen. Allerdings sind Patente ein schlechter Gradmesser für Innovation. Natürlich brauchen wir Patente und ein intelligentes Patent-Management. Aber es kommt darauf an, diese Patente auch tatsächlich in erfolgreiche Produkte umzusetzen. Ein Beispiel ist die Firma Kodak, die sehr viele Patente hatte, aber letztendlich die Digitalfotografie verschlafen hat.

Mittelständische Unternehmen zeichnen sich auch dadurch aus, dass sie ihre Kunden sehr gut kennen und mit ihren Kunden gemeinsam wachsen. Diese Medaille hat aber auch eine zweite Seite, nämlich den Nachteil, dass mittelgroße Unternehmen oft sehr auf ihre existierenden Kunden fokussiert sind. Sie sehen dann oft nicht die Chancen im größeren Markt sehen oder übersehen völlig neue Player im Markt. Diese Herausforderungen wollen wir überwinden und dabei haben auch schon Erfolge erzielt.

Du begleitest bei Heraeus einige Geschäftseinheiten dabei ihren Innovationsprozess marktgerechter auszurichten. Wie sieht das genau aus?

Wir haben im HR Inhouse Consulting ein ganz spezielles Beratungs- und Lernprojekt entwickelt. Wir nennen das Market Driven Innovation. An diesem Programm nehmen funktionsübergreifende Teams teil, die gemeinsam an einer Innovations-Herausforderung arbeiten. Diese Teams kommen aus unseren verschiedenen Global Business Units – immer ein Team aus einer Geschäftseinheit. Die Teams lernen neue Herangehensweisen und Werkzeuge des Innovationsmanagement kennen und wenden diese unmittelbar an ihren Projekten an. Parallel dazu arbeiten wir mit den Sponsoren, also mit den Führungskräften. Hier fragen wir uns: Was heißt es heute, Innovation Leadership zu betreiben? Wie schaffe ich Rahmenbedingungen, auch kulturelle Rahmenbedingungen, dass sich Innovation im eigenen Bereich entwickeln und erfolgreich wachsen kann?

Welche Lernerfolge der Teilnehmenden haben dich am meisten überrascht?

Was mich am meisten überrascht hat, war die Erfahrungen, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemacht haben. Zum Beispiel, dass es sich auszahlt, sehr früh mit Kunden zu sprechen. Die Teams haben Kunden befragt, als sie außer Ideen noch nichts auf den Tisch legen konnten - geschweige denn etwas verkaufen. Natürlich gingen sie sehr gut vorbereitet in die Gespräche - aber sie waren überrascht, wie viel sie über die Perspektive des Kunden erfuhren. In der Vergangenheit dachten viele: Wir wollen doch nicht präsentieren, ohne etwas verkaufen zu können. Aber die Erkenntnis ist: Doch, wir können! Und wir haben eine sehr positive Erfahrung gemacht. Das war der erste Punkt.

Der zweite Punkt war, wie wichtig es ist, sich über seine Hypothesen im Klaren zu sein - über seine Produktideen, den Markt, den Kunden und darüber, was er mag und was er nicht mag. Wir arbeiteten mit einer hypothesengesteuerten Methode und testeten diese Hypothesen systematisch. Das Programm hat den Teams beigebracht, wie man das mit relevanten Marktdaten macht. Ich fand das faszinierend – es hat die Teams sehr weit gebracht.

Das Dritte war, wie wichtig es ist, dezidierte Teams zu haben, mit klaren Aufgabenstellungen und auch ausreichenden Ressourcen plus ein gutes Coaching durch die Führungskräfte.

Vielen Dank für den spannenden Einblick und das Gespräch, Georg.

Danke Sofie.