Mit mehr IT-Sicherheit gegen den Ideenklau

Angriffe aus dem Internet auf das geistige Eigentum und frisch entwickelte Innovationen von Unternehmen sind nichts Neues. Laut einer BITKOM-Studie von 2020 gaben 70 Prozent der befragten Unternehmen an, im Zeitraum 2018/2019 durch Hackerangriffe geschädigt worden zu sein. Mit Corona wird diese Entwicklung durch vermehrtes Remote Working und Home Office jetzt aber noch beschleunigt, da die Zugriffe von außen auf Systeme und Daten von Unternehmen durch die Heimarbeit zunehmen und gleichzeitig die IT-Infrastrukturen oft weniger sicher sind.

Kim Jessum

Unternehmen stehen global vor der Aufgabe, stabile Rahmenbedingungen zu schaffen, die bestmöglichen Schutz gegen Cyberrisiken bieten und parallel mobile Heimarbeit ermöglichen. Heraeus verfügt als weltweit aufgestelltes Portfolio-Unternehmen über ein umfassendes IP-Instrumentarium, um sein geistiges Eigentum zu schützen.

Kim Jessum, Chief IP Counsel U.S stellt im Interview IP-Strategien sowie -Trends vor und gibt Tipps für mehr Sicherheit.

Die Arbeit von zu Hause hat während der Pandemie stark an Bedeutung gewonnen und dieser Zustand wird sich auch nach ihr fortsetzen. Wie können Unternehmen ihre Rechte an geistigem Eigentum in diesem neuen Umfeld schützen?

Jessum: Die Unternehmen sollten über ihre IT-Abteilungen für einen angemessenen Schutz sorgen. Natürlich sind hier ein Passwortschutz und ein begrenzter Zugang zu geschützten Informationen entscheidend. Auch die Schulung der Mitarbeiter im vorsichtigen Umgang mit den Informationen ist hilfreich. Ein Mitarbeiter denkt vielleicht nicht daran, Dinge anders zu machen, wenn er zu Hause ist. Beispielsweise könnte der Lebensgefährte des Mitarbeiters für einen Konkurrenten arbeiten, so dass die beiden nicht im selben Raum arbeiten sollten und der Mitarbeiter seinen Bildschirm nicht verlassen sollte, ohne ihn zu sperren. Wie auf Reisen ist es auch hier wichtig, sich der Umgebung bewusst zu sein.

Was können die Arbeitnehmer selbst zur Unterstützung tun?

Jessum: Konkret sollten Mitarbeiter auf ihre Umgebung achten und Informationen für Unbeteiligte unzugänglich aufbewahren.

Wie können kleine und mittelständische Unternehmen Methoden zum Schutz des geistigen Eigentums etablieren?

Jessum: Einfache und kostengünstige Möglichkeiten zum Schutz des geistigen Eigentums sind die Verwendung eines Passwortschutzes für Computer, Software und Dokumente. Verbunden mit größeren Investitionen lassen sich Informationen nachverfolgen und Warnungen ausgeben, wenn ein Mitarbeiter Kopien geschützter Informationen per E-Mail herunterlädt oder versendet.

Was unternimmt Heraeus aktuell, um den Schutz seiner Innovationen zu gewährleisten?

Jessum: Jedes Jahr überprüfen und aktualisieren wir die IP-Strategie jeder operativen Geschäftseinheit, um sicherzustellen, dass wir unsere IP-Aktivitäten mit unseren Geschäftszielen in Einklang bringen. Außerdem schulen wir unsere Mitarbeitenden, führen Schutzmaßnahmen ein und nutzen Vereinbarungen zum Schutz vertraulicher Informationen. Letztendlich sind Zeit und Geld immer begrenzte Ressourcen, und daher müssen wir uns bemühen, diese Ressourcen so effektiv wie möglich einzusetzen, um den Geschäftserfolg von Heraeus insgesamt zu unterstützen.

Was sind die drei wichtigsten globalen Trends, die Sie beim Schutz des geistigen Eigentums sehen?

Jessum: In den vergangenen Jahren wurden in vielen Ländern mehr Gesetze zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen erlassen. Zudem gab es auch Verbesserungen bei den Gerichten, die Fälle im Bereich des geistigen Eigentums auf globaler Ebene verhandeln. Und schließlich wurde mehr Wert auf die Qualität und den Wert des geistigen Eigentums gelegt und nicht nur darauf, wie viele Patente ein Unternehmen besitzt.