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Interview zur nationalen Wasserstoff-Strategie Deutschlands

Wasserstoff Experteninterview Titelbild

Wasserstoff gilt als Energieträger der Zukunft und als Hoffnungsträger für die Mobilitäts- und Energiewende. Grüner Wasserstoff, also Wasserstoff, der aus erneuerbaren Energien hergestellt wird, ist jedoch bislang sehr teuer. Die nationale Wasserstoffstrategie der Bundesregierung könnte dies nun ändern.

Heraeus beschäftig sich mit vielen der Fragestellungen rund um Wasserstoff, da Edelmetalle bei der elektrochemischen Herstellung und Verwendung von Wasserstoff, als auch als wichtiger Bestandteil von chemischen Katalysatoren für die Verwirklichung neuer Energie- und Rohstoffkonzepte einen entscheidenden Beitrag leisten werden.

Wir haben mit unserem Experten für Wasserstoff, Christian Gebauer, gesprochen:

Christian Gebauer Heraeus Wasserstoff Experte

Wo siehst Du die Chancen der neuen Strategie?

Mit der nationalen Wasserstoffstrategie hat die deutsche Bundesregierung eine klare Richtung für eine Rohstoff- und Energiewende, weg von fossilen Rohstoffen hin zu erneuerbaren Energien und Treibstoffen, zur Bekämpfung des Klimawandels vorgegeben. Die Strategie hat das Potential den CO2-Fußabdruck unserer Industrie und unseres täglichen Lebens nachhaltig zu reduzieren.

Ich begrüße es, dass die Bundesregierung den Fokus nicht nur auf die Nutzung von Wasserstoff in Brennstoffzellen legt, sondern auch das Potential von Wasserstoff und Folgeprodukten als vielfältige Grundstoffe, Energieträger und Energiespeicher sieht.

Die internationale Ausrichtung der Strategie ist ein weiteres Plus. Deutschland verfügt zwar über die Technologie und das Knowhow, kann aber alleine nicht genügend grünen Wasserstoff produzieren. Deshalb ist es wichtig, dass wir eng mit anderen Ländern in Europa (NL, Skandinavien, Ukraine) und Afrika zusammenarbeiten.

Wo siehst Du Herausforderungen?

Die nationale Wasserstoffstrategie fokussiert auf grünem Wasserstoff, der mittels Elektrolyse unter Verwendung erneuerbarer Energien hergestellt wird und sieht vor, dass übergangsweise kostengünstiger türkiser oder blauer Wasserstoff verwendet wird. Hierbei entsteht Kohlenstoff oder CO2, der bzw. das jedoch gespeichert werden muss. Dies kann jedoch nur übergansweise erfolgen. Es ist also wichtig, dass diese weniger klimafreundlichen Wasserstoffarten auch nur temporär in der Übergangsphase genutzt werden und Investitionen in grünen Wasserstoff nicht unter den weniger klimafreundlichen Optionen leiden.

Ein wichtiger Aspekt ist auch weiterhin die Förderung von Grundlagen- bzw. Anwendungsforschung, um auch technologische Aspekte weiterzuentwickeln. Hierbei ist es aber immer wichtig, die dadurch geschaffenen Anreize für eine industrienahe bzw. industrie-relevante Nutzung nicht auch auf der Projektebene zu lassen. Die für die Elektrolyse definierte 5 GW Kapazität bis 2030 sollten hierfür ein klares Zeichen sein, auch wenn es noch ambitionierter hätte ausfallen können.

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