FAQ Infektionen & Antibiotika

Antibiotikaresistenzen

Bakterien können gegen einzelne oder mehrere Antibiotika resistent werden, d.h. sie entwickeln eine Widerstandfähigkeit gegen die betreffenden Antibiotika. Solche Eigenschaften entstehen durch zufällige Mutationen, die dem betroffenen Bakterium bei entsprechendem Selektionsdruck einen Überlebensvorteil verschaffen können. Resistenzen breiten sich dann rasch aus. Wenn sich die entsprechenden Resistenzgene zudem auf Plasmiden (= ringförmige DNA-Strukturen) befinden, können sich Antibiotikaresistenzen durch Austausch dieser Plasmide auch zwischen verschiedenen Arten sehr schnell ausbreiten. Dies trifft besonders dann zu, wenn verschiedene Bakterienarten gemeinsam in einem Milieu wie z.B. dem Boden, dem Darm, Abwässern, Biofilmen usw. vorkommen.

Es gibt verschiedene Arten von Antibiotikaresistenzen, z.B.

  • Primärresistenz (Wirkungslücke eines Antibiotikums bei bestimmten Bakterien)
  • Sekundärresistenz (Verlust der Wirksamkeit eines Antibiotikums bei einem primär nicht resistenten Bakterium durch Mutation oder Übertragung genetischer Informationen untereinander)
  • Bei einer Multiresistenz handelt es sich um die Unempfindlichkeit eines Bakteriums gegenüber mehreren Antibiotika verschiedener Klassen.

Antibiotikaresistenzen stellen ein ernstzunehmendes Problem dar. Daher ist es wichtig, den nicht adäquaten Gebrauch von Antibiotika zu verringern.

Der unnötige oder falsche Einsatz von Antibiotika beschleunigt die Entstehung und Verbreitung von resistenten Bakterien. Jede Einnahme von Antibiotika setzt Krankheitserreger und Darmflora unter Selektionsdruck, d.h. begünstigt die Entstehung und Ausbreitung von Resistenzen. Daher sollten Antibiotika nicht auf Verdacht eingesetzt werden.

Bakterielle Infektionen sollten mit einer ausreichend hohen Antibiotika-Dosis über möglichst kurze Zeit behandelt werden. Dabei muss die Antibiotika-Therapie gegen den tatsächlich vorliegenden Erreger gerichtet sein (Antibiogramm). Des Weiteren muss grundsätzlich abgeklärt werden, ob überhaupt eine bakterielle Infektion vorliegt, bevor man eine Antibiotika-Therapie wählt.

Wird eine Antibiotikabehandlung vorzeitig abgebrochen, begünstigt das das Überleben schwach resistenter Keime und deren weitere Anpassung an das Antibiotikum. Wichtig sind daher eine exakte Diagnose, eine Verschreibungspflicht (die es in zahlreichen Ländern nicht gibt) und die exakte Einnahme nach Anweisung des Arztes.

Allerdings ist in der Humanmedizin noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Nach Angaben der Krankenkasse DAK , die jährlich ihre Arzneimitteldaten auswertet, waren 2013 fast 30% der Antibiotika-Verordnungen mit Blick auf die Diagnose fragwürdig. 40% der Versicherten erhielten Antibiotika meistens bei Infektionen der oberen Atemwege, Bronchitis oder Husten verschrieben – Erkrankungen, die häufig von Viren verursacht werden.

Ein Antibiogramm ist ein Labortest zur Bestimmung der Empfindlichkeit bzw. Resistenz von bakteriellen Krankheitserregern gegenüber Antibiotika. Es sollte idealerweise jeder Antibiotikatherapie vorangehen.
Die Tests ermitteln, ob Bakterien in Gegenwart eines Antibiotikums noch wachsen können und bestimmen zugleich die Konzentration, bei der die Vermehrung gerade noch verhindert wird. Sie dauern etwa 16-20 Stunden.

Molekulargenetische Schnellverfahren zur Identifizierung von vorliegenden Resistenzen beruhen hingegegen auf dem Nachweis von Gensequenzen, die Resistenzen vermitteln. Sie sind wesentlich schneller (ca. 5 Stunden), weisen jedoch nur die Anwesenheit nach und eignen sich nicht zur Bestimmung der Hemmkonzentration.

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