FAQ Infektionen & Antibiotika

Antibiotika

Antibiotika sind Medikamente zur Behandlung von bakteriellen Infektionskrankheiten. Sie können die Bakterien abtöten (bakterizid) oder deren Wachstum hemmen (bakteriostatisch). Bei Infektionen durch Viren (z. B. Schnupfen oder Grippe) sind sie wirkungslos, können aber zur Behandlung von bakteriellen Begleitinfektionen verordnet werden.

Antibiotika nutzen bakterientypische Eigenschaften aus. Sie richten sich z. B. gegen solche Strukturen oder Mechanismen der Bakterienzellen, die bei anderen Lebewesen nicht vorkommen und sind daher für Mensch und Tier mehr oder weniger gut verträglich. So haben Bakterien beispielsweise eine Zellwand aus Murein, einem Molekül, das nur bei ihnen vorkommt. Zudem nutzen sie zur Herstellung von Eiweiß und zur Vervielfachung ihres Erbguts andere Strukturen und Enzyme als Mensch und Tier. Daher richten sich einige Antibiotika gegen die Neubildung der bakteriellen Zellwand, während andere den Stoffwechsel oder die Vermehrung des Erbguts unterbrechen.

Es gibt ca. 15 verschiedene Antibiotikagruppen, die sich in ihrer chemischen Struktur und Wirkungsweise und damit auch in ihrer Wirksamkeit gegen bestimmte Erreger unterscheiden.

Antibiotika lassen sich nach verschiedenen Kriterien gruppieren:

  • nach ihrer Wirksamkeit
  • nach ihrer chemischen Struktur
  • nach ihrem Wirkmechanismus

Ausgewählte Gruppen und Wirksamkeiten sind im nachfolgenden Dokument dargestellt:

Reserveantibiotika sind Antibiotika, die nur dann eingesetzt werden sollen, wenn es sich um besonders schwere Infektionen handelt und/oder die infektiösen Bakterien Resistenzen gegen andere Antibiotika entwickelt haben. Sie sollten bei einfach verlaufenden Infektionen nicht eingesetzt werden, um eine Resistenzentwicklung möglichst zu vermeiden.

Reserveantibiotika sind nicht wirksamer als andere Antibiotika, es gibt jedoch aufgrund ihres relativ seltenen und kontrollierteren Einsatzes kaum Resistenzen. Häufig rufen sie deutlich mehr Nebenwirkungen als herkömmliche Antibiotika hervor.

Vancomycin dient beispielsweise als Reserveantibiotikum gegen S. aureus.

Bei den so genannten Standard-Antibiotika handelt es sich um ca. ein Dutzend Präparate, die seit Jahren oder Jahrzehnten zur Bekämpfung mikrobieller Infektionen eingesetzt werden. Entsprechende Listen der WHO bzw. einzelner Länder und Regionen sind dabei nicht deckungsgleich. Zu den Standard-Antibiotika zählen z. B.

  • Aminoglykosid-Antibiotika,
  • Cephalosporine,
  • Gyrasehemmer,
  • Makrolid-Antibiotika,
  • Penicilline,
  • Sulfonamide,
  • Tetrazykline,
  • Trimethoprim und
  • Tuberkulostatika.

Sie werden zur Bekämpfung praktisch aller bakteriellen Infektionen eingesetzt und sind daher in allen medizinischen Disziplinen von Bedeutung.

Die minimale Hemm-Konzentration (MHK) ist definiert als die niedrigste Konzentration eines Antibiotikums, bei der die Vermehrung von Mikroorganismen mit bloßem Auge nicht mehr wahrgenommen werden kann (s. Antibiogramm). Sie wird in Mikrogramm pro Milliliter (µg/ml) angegeben und dient als Grundlage zur Festsetzung der Dosierung von Antibiotika.

Wirkstoffkonzentrationen von lokal und systemisch verabreichten Antibiotika
Abb.: Wirkstoffkonzentrationen von lokal und systemisch verabreichten Antibiotika

Im Gegensatz zur Antibiotika-Therapie, bei der Antibiotika zur Bekämpfung bereits entstandener Infektionen eingesetzt werden, werden die Medikamente bei der Antibiotikaprophylaxe bereits vor, während oder unmittelbar nach einem medizinischen Eingriff eingesetzt, um die Entstehung einer Infektion zu vermeiden. Die Entscheidung für das geeignete Antibiotikum erfolgt hier empirisch auf der Grundlage von Erfahrungswerten, welche Erreger in Frage kommen, und unter Berücksichtigung der lokalen Resistenzepidemiologie. Dies betrifft vor allem (kiefer)orthopädische, traumatologische oder zahnheilkundliche Eingriffe und/oder Risikopatienten mit geschwächtem Immunsystem. Die Antibiotikaprophylaxe kann über eine systemische oder lokale Gabe erfolgen; auch ist eine Kombination beider Applikationsformen möglich. Bei der lokalen Anwendung können im betroffenen Bereich sehr hohe Wirkspiegel erreicht werden während die systemische Belastung niedrig bleibt. Die Kombination von systemischer und lokaler Antibiotikagabe zur Infektionsprophylaxe hat sich besonders in der Orthopädie und Traumatologie bewährt.

nach oben

Heraeus Medical

You have come to the International website. Would you like to stay or be redirected to the US website?