Heraeus Edelmetallprognose 2020

Hanau, 28. Januar 2020

  • Mini-Zinsen und geopolitische Unsicherheiten stützen Goldpreis
  • Silber steht weiter im Schatten von Gold
  • Engpass bei Palladium bleibt bestehen
  • Marktüberschuss macht Platin zu schaffen
  • Rhodium weiter gefragt

Die meisten Edelmetallpreise werden nach Einschätzung des weltweit größten Edelmetallverarbeiters Heraeus Precious Metals auch im neuen Jahr steigen. „Die weltweiten Entwicklungen werden auch 2020 wieder starken Einfluss auf die Edelmetallpreise haben. Während Gold eher von Unsicherheiten beeinflusst wird, sind Platingruppenmetalle geprägt von den weltweit strengeren Abgasnormen in der Automobilindustrie“, sagte André Christl, Präsident von Heraeus Precious Metals.

Die anhaltend niedrigen Zinsen, die Spannungen im Nahen Osten und die ungelösten Handelskonflikte sollten das Interesse von Anlegern an Gold auch 2020 weiter hochhalten. Auch die massiven Zukäufe der Zentralbanken dürften den Goldpreis unterstützen. Silber wird nach Ansicht der Heraeus Experten vom starken industriellen Bedarf – etwa in der Photovoltaik – profitieren. Bei Palladium dürfte das Angebotsdefizit, ausgelöst durch die starke Nachfrage aus der Automobilindustrie, die Preise unter starken Schwankungen antreiben. Platin sollte angesichts des anhaltenden Überangebots keine großen Sprünge machen.

Die Heraeus-Prognosen im Überblick:

Edelmetall Bandbreite
Gold 1400 – 1700 Dollar je Unze
Silber 16,25 – 21,00 Dollar je Unze
Platin 800 – 1050 Dollar je Unze
Palladium 1800 – 2800 Dollar je Unze
Rhodium 5000 – 12.000 Dollar je Unze
Ruthenium 200 – 300 Dollar je Unze
Iridium 1450 – 1600 Dollar je Unze

Anleger flüchten weiter in Gold als sicheren Hafen

Ein Großteil der politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten ist nach dem jüngsten Anstieg zwar bereits eingepreist, die auslösenden Faktoren, die den Goldpreis antreiben, bleiben jedoch erhalten. Dazu zählen die extrem niedrigen Zinsen und fallende Anleiherenditen, Handelskonflikte zwischen China, der EU und den USA, aber auch die im Herbst anstehende US-Präsidentschaftswahl. „Zudem bleiben die Zentralbanken auf der Käuferseite, auch von der Investmentseite bleibt die Nachfrage hoch“, sagte Hans-Günter Ritter, Leiter Edelmetallhandel bei Heraeus. Ein möglicherweise schwächer werdender Dollar und die Unsicherheit über die Auswirkungen des Brexits sprechen für ein weiter starkes Interesse an Gold.

Allerdings dürften der hohe Preis und das maue Wirtschaftswachstum vor allem in den wichtigen Märkten China und Indien zu einer gewissen Kaufzurückhaltung beim Schmuckkonsum führen. Die Heraeus Experten erwarten 2020 eine Bandbreite zwischen 1400 und 1700 Dollar je Feinunze Gold.

Silber profitiert von Industrie-Nachfrage

Ebenso wie Gold wird Silber davon profitieren, dass Investoren in diesen unsicheren Zeiten die beiden Edelmetalle als sich sicheren Hafen ansteuern. Zudem sollte die bessere industrielle Nachfrage vor allem aus der Photovoltaik und beim Aufbau des schnellen Internetstandards 5G den Silberpreis stützen. Allerdings dürfte die Nachfrage der Anleger nicht so stark sein ausgeprägt sein, so dass Silber bei der Entwicklung Gold weiter hinterherläuft. Für Silber geht Heraeus von einer Bandbreite zwischen 16,25 und 21,00 Dollar je Feinunze aus.

Überangebot an Platin bleibt bestehen

Bei Platin, das vor allem in Diesel-Abgaskatalysatoren eingesetzt wird, erwartet Heraeus einen Marktüberschuss, auch wenn das Angebot aus Minen um ein Prozent schrumpfen sollte. Platin leidet unter der Schwäche der Auto- und der Schmuckindustrie, die zusammen rund 70 Prozent der Nachfrage ausmachen. Beide Branchen dürften 2020 mit Problemen zu kämpfen haben. Hingegen wird ein leichter Nachfrageanstieg beim Einsatz in Ölraffinerien und ein höherer Bedarf von Platin als Katalysatormaterial für chemische Prozesse ein Lichtblick darstellen.

Investoren haben das zuletzt schlecht gelaufene Edelmetall wegen seines niedrigen Preises wieder für sich entdeckt, mit einem festeren Goldpreis dürfte dieser Trend anhalten. Dass die Industrie das vergleichsweise günstige Platin das zuletzt stark gestiegene Palladium ersetzt, erwarten die Experten mittelfristig nicht. Heraeus sieht bei Platin eine Preisspanne von 800 bis 1050 Dollar je Feinunze.

Palladium-Preis dürfte weiter stark schwanken

Der strukturelle Engpass bei Palladium wird auch 2020 bestehen bleiben. So gehen die Heraeus Experten von einem Marktdefizit von rund 18 Tonnen aus. Die Palladium-Nachfrage kommt vor allem aus der Automobilindustrie, die mit 81 Prozent der stärkste Abnehmer ist - das Metall wird in Abgaskatalysatoren für Ottomotoren eingesetzt. Auch wenn der Fahrzeugabsatz sinken wird, die höheren Katalysatorbeladungen in Benzinern dürften den erwarteten Rückgang überkompensieren. Die in Zukunft schärferen Abgasnormen in China und Indien sprechen für einen höheren Bedarf an Palladium. Zudem könnten erneute Stromausfälle in dem wichtigen Förderland Südafrika die Produktion lähmen und das Angebot verknappen, was wiederum für höhere Preis spricht.

Ein Risiko bei Palladium ist indes die starke Abhängigkeit vom Wohl und Wehe der Autobranche. Auch ein schwächelnder Handel zwischen den Wirtschaftsgiganten USA und China könnte die Preisentwicklung grundlegend verändern. Die Bandbreite liegt nach Ansicht von Heraeus bei 1800 bis 2800 Dollar für die Feinunze Palladium.

Rhodium dürfte unter Schwankungen weiter zulegen

Ein Ende des Aufschwungs ist nicht in Sicht, allerdings rechnen die Heraeus Experten mit starken Schwankungen. Die Nachfrage aus der Automobilindustrie, dem mit Abstand größten Abnehmer, dürfte wegen neuer, restriktiverer Abgasnormen in vielen Regionen auf hohem Niveau bleiben – dies dürfte erneut zu einem Marktdefizit führen. Zusätzlichen Schub könnte der Rhodiumpreis bekommen, sollten die Minenkonzerne in Südafrika, wo 80 Prozent abgebaut werden, wieder ihre Produktion drosseln müssen. Das Land steckt in einer schweren Versorgungskrise, immer wieder kommt es dort zu Stromausfällen. Die Handelsspanne liegt in diesem Jahr zwischen 5000 und 12.000 Dollar je Feinunze.

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