Heraeus Edelmetallprognose

Heraeus Edelmetallprognose 2018

AUSBLICK AUF 2018

PDF-Download der Edelmetallprognose

Die derzeitige Stärke des Euro gegenüber dem US-Dollar spricht für eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung bei den Edelmetall- preisen von der Gold, Platin sowie Silber profitieren. Der USD ist jedoch überverkauft und die drei erwarteten Zinsanhebungen der Fed könnten daher dem USD im zweiten Halbjahr einen Schub verleihen, was sich in der Regel negativ auf die Edelmetallpreise auswirkt.

Trotz einer erwarteten höheren industriellen Nachfrage im Jahr 2018 wird sich Platin in seiner Eigenschaft als Edelmetall nicht vollständig vom Gold abkoppeln können. Potenzielle Produktionskürzungen würden jedoch einen Rückgang auf Preise von unter 860 $/oz verhindern. Palladium war 2017 der Outperformer mit einem Preisanstieg im letzten Jahr von 59 %. Die Angebotsknappheit wird sich in 2018 fortsetzen, so dass auch die Leihezinsen auf relativ hohem Niveau bleiben und der Palladiumpreis Potenzial hat bis auf 1.170 $/oz anzusteigen. Weniger positive Meldungen, insbesondere aus dem Automobilsektor, könnten Gewinnmitnahmen von Investoren auslösen.

Die Preise der kleinen Platingruppenmetalle bleiben weiterhin gut unterstützt durch industrielle Nachfrage. Die Nachfrage nach Rhodium dürfte weiter ansteigen, wobei die im letzten Jahr in China aufgebauten Bestände weitere Preiszuwächse dämpfen werden. Der Aufwärtstrend des Rutheniumpreises dürfte sich, unterstützt durch diverse Anwendungen, weiter fortsetzen. Iridium unterdessen profitiert von einer Ausweitung der Produk- tionskapazitäten bei diversen Anwendern.

PROGNOSE EUR/USD

Der Euro begann das Jahr 2017 mit einer Talfahrt auf den niedrigsten Stand seit 2002 in Höhe von 1,04 $/€. Von diesem Tiefpunkt startete er eine Rally und wertete um fast 15 % auf 1,20 $/€ auf. Erstmals wurde dieses Niveau im September und nach einem Rückschlag im vierten Quartal erneut am Ende des Jahres erreicht.

Das Jahr 2017 war von einer Normalisierung der Geldpolitik geprägt. Obwohl die US-Notenbank mehr als die EZB für die Anpassung ihrer Geldpolitik unternahm, wertete der Euro gegenüber dem Dollar auf. Im weiteren Jahresverlauf verbesserte sich das Wirtschaftswachstum in der Eurozone. Die Prognosen wurden übertroffen und auch die weiteren Aussichten blieben optimistisch, was den Euro zusätzlich unterstützte. Darüber hinaus waren viele positive Meldungen, beispielsweise die Erwartung fiskalpolitischer Impulse und Steuersenkungen nach der Wahl von Präsident Trump, am Jahresbeginn bereits im US-Dollar-Kurs eingepreist, wobei das Steuerreformgesetz länger auf sich warten ließ als anfänglich angenommen.

In den USA könnten die Zwischenwahlen für den Kongress im Spätherbst 2018 die Verabschiedung weiterer Gesetze erschweren. In diesem Fall wird sich die Trump-Regierung voraussichtlich stärker auf die Neuverhandlung von Handelsvereinbarungen und auf die Handelsbilanz mit China konzentrieren. In Europa ist die Politik weiter von Unsicherheiten geprägt. Die Koalitionsverhandlungen in Deutschland zwischen den Unionsparteien und der SPD und die anschließende Regierungsbildung gestalten sich schwierig. In Italien ist eine Parlamentswahl für den März anberaumt. Meinungsumfragen deuten an, dass die Fünf-Sterne- Bewegung gegenwärtig die größte Unterstützung erfährt, gefolgt von der regierenden Demokratischen Partei. Unterdessen laufen die Brexit-Verhandlungen weiter. Ein reibungsloser Übergang auf neue Handelsvereinbarungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU erscheint eher unwahrscheinlich.

Die US-Notenbank und die EZB haben detaillierte geldpolitische Pläne vorgelegt, die in den ebenfalls erhöhten Wirtschaftswachstumsprognosen bereits eingepreist sind. In der Eurozone wurden 2017 die Erwartungen übertroffen, wovon der Euro profitierte. 2018 dürfte dies aber nicht so einfach wiederholbar sein.

Erwartungen zufolge wird die Fed in diesem Jahr die Zinsen erneut dreimal anheben und ihre Bilanzsumme quartalsweise reduzieren. Unterdessen verringerte die EZB ihre Wertpapierkäufe auf 30 Milliarden Euro monatlich bis einschließlich September, plant jedoch keine Zinsänderung. Da die US-Zentralbank die geldpolitischen Bedingungen auch 2018 stärker strafft als die EZB, spricht dies für den US-Dollar und gegen den Euro. Im Vergleich zu 2017 wird eine Beschleunigung des US-Wirtschaftswachstums erwartet, wohingegen ein leichter Wachstumsrückgang in Europa prognostiziert wird. Dies stellt eine Trendwende gegenüber 2017 dar.

Das kurzfristige Momentum spricht für den Euro, weshalb eine weitere Stärkung des Euros und Schwächung des Dollars wahrscheinlich ist. Auf der anderen Seite haben spekulative Investoren auf dem Futures-Markt einen Rekordstand an Longpositionen im Euro gegenüber dem US-Dollar aufgebaut, so dass nicht mehr viele Euro-Käufer verblieben sein können und sich die Eurostärke dem Höhepunkt nähert. Das starke, über den Erwartungen liegende, Wirtschaftswachstum in der Eurozone hatte somit mehr Einfluss auf den Wechselkurs, als die relative Bilanzentwicklung der jeweiligen Zentralbank. Sollte sich das US-Wachstum in diesem Jahr beschleunigen, könnte die US-Notenbank eine deutlich striktere Geldpolitik verfolgen und Marktteilnehmer aufgrund dessen wieder verstärkt den US-Dollar nachfragen. Kurzfristig hat der Euro Potenzial auf 1,27 $/€ zu steigen, im späteren Jahresverlauf erwarten wir jedoch eine Aufwertung des US-Dollar, der EUR/USD-Wechselkurs kann dann bis auf 1,15 $/€ nachgeben.

Steigende Realzinsen dämpfen die Aussichten für Gold

Krisen sind naturgemäß nicht vorhersehbar. Sollten sich die Spannungen in Regionen wie Nordkorea oder dem Nahen Osten jedoch verschärfen, würde Gold weiterhin als sicherer Hafen davon profitieren. Eine geringere Zentralbankliquidität, steigende Anleiherenditen, die abflachende Renditekurve von US-Treasuries und eine potenzielle Erholung des Dollars deuten aber allesamt darauf hin, dass das Aufwärtspotenzial des Goldpreises begrenzt ist.

Markterwartungen zufolge wird die US-Notenbank die Zinsen in diesem Jahr weiter anheben und auch ihre Bilanz quartalsweise mehr und mehr kürzen, bis im vierten Quartal eine monatliche Verringerung um 50 Milliarden Dollar erreicht ist. Das entspricht einer Bilanzkürzung von insgesamt 420 Milliarden Dollar im laufenden Jahr. Unterdessen verringert die EZB, zumindest bis September, ihre Wertpapierkäufe von 60 auf 30 Milliarden Euro pro Monat. Dadurch fallen die Käufe insgesamt auf ungefähr ein Drittel des Betrags von 2017. Auch die Bank of Japan scheint ihre Wertpapierkäufe leicht nach unten anzupassen, so dass die Zentralbankliquidität eingeschränkt wird.

Die Liquiditätszufuhr der Zentralbanken hat die Anleiherenditen sinken lassen und es ist zu erwarten, dass diese bei einer allmählichen Umkehr dieser Politik wieder ansteigen. Die US-Notenbank ist bei diesem Prozess bereits einen Schritt weiter als die EZB. In der Eurozone sind die Anleiherenditen im historischen Vergleich immer noch ausgesprochen niedrig, weshalb diese auch rascher steigen könnten. Steigende Nominalzinsen bei geringer Inflation bewirken höhere Realzinsen, was für Gold unvorteilhaft ist.

Die Renditekurve von US-Treasuries wird flacher, da die Zinsen am kurzen Ende steigen, während sie am langen Ende nachgeben. Dies impliziert, dass der Anleihenmarkt weder über eine steigende Inflation besorgt ist, noch eine Beschleunigung der Wachstumsaussichten erwartet. Auch das ist für den Goldpreis ungünstig.

2017 stieg der Goldpreis um mehr als zwölf Prozent, was sicherlich durch die US-Dollar-Abschwächung begünstigt wurde. Kurzfristig spricht das Momentum gegen den Dollar, so dass eine weitere Schwächung wahrscheinlich ist. Allerdings ist die negative Stimmung gegen den Dollar bereits 2017 eingetreten und wirkt überzogen. Wir erwarten daher die Rückkehr zu einem etwas stärkeren Dollar im zweiten Halbjahr, was das Aufwärtspotenzial von Gold bremsen würde.

Die Aktienmärkte erreichten zuletzt neue Rekordstände und der spektakuläre Zuwachs der Kryptowährungen zieht spekulative Gelder an, wodurch Gold etwas ins Abseits geriet. Wir erwarten, dass sich der Goldpreis innerhalb einer Spanne von 1.175 $/oz und 1.375 $/oz bewegen wird, wobei in der ersten Jahreshälfte ein höheres Preisniveau zu sehen sein wird, gefolgt von tieferen Preisen im zweiten Halbjahr, aufgrund fehlender saisonbedingter Nachfrage sowie einem dann festeren Dollar.

Belebung des Silberpreises abhängig von Investmentzuflüssen

Obwohl die industrielle Nachfrage für 2018 aufgrund des zuneh- menden globalen Wachstums etwas besser aussieht, ist dennoch kein signifikanter Anstieg der industriellen Silbernachfrage zu erwarten. Es ist deshalb davon auszugehen, dass Impulse für den Silberpreis in diesem Jahr nur über die Investmentnachfrage kommen können. Damit bleibt Silber jedoch denselben Trends wie Gold ausgesetzt, sprich das Aufwärtspotenzial wird durch die schrumpfende Zentralbankliquidität, steigende Realzinsen und die Möglichkeit einer Erholung des US-Dollars begrenzt sein.

Die Minenproduktion verringerte sich Schätzungen zufolge im Jahr 2017, befindet sich jedoch immer noch nahe am Rekordniveau von 2015, wobei das Gesamtangebot aufgrund des ge- stiegenen Altsilberangebots etwa gleich geblieben ist. Sollte der Durchschnittpreis für Silber, wie für 2018 erwartet, etwas zurückgehen, dann könnte das Angebot an Altsilber ebenfalls leicht abnehmen. Da aber die Basismetallpreise, wie z. B. Kupfer, 2017 stark angestiegen sind (Silber wird als Nebenprodukt gefördert), ist auch eine Zunahme der Silberminenproduktion möglich, so dass das Gesamtangebot ähnlich hoch bleibt wie im Vorjahr.

2017 stieg die Nachfrage leicht an. Die Industrienachfrage nach Silber stagnierte oder verringerte sich zwar in den letzten Jahren, dürfte 2017 aber zugenommen haben. Mit dem Anziehen der Konjunktur steigt normalerweise die Verwendung von Silber in der Elektronikindustrie, in Lötverbindungen und Hartloten; weiterhin konnte die Photovoltaikindustrie kräftig zulegen.

Die Verwendung von Silber in der Photovoltaik war in den letzten Jahren der Lichtblick der Industrienachfrage. Das Wachstum in diesem Bereich kann aber nur die stagnierende oder sogar sinkende Nachfrage in anderen Industrieanwendungen ausgleichen. Die Silbernachfrage für Solarzellen wird 2018 voraussichtlich noch steigen. Die Wachstumsdynamik hingegen wird sich verlangsamen, da die jährlichen Installationen schon eine Leistung von fast 100 GW erreichen und pro Zelle immer weniger Silber verwendet wird.

Die physische Investmentnachfrage enttäuschte im vergangenen Jahr, da der Bedarf an Barren und Münzen schwach ausfiel. Insbesondere ist das Interesse an Silbermünzen in den USA deutlich hinter den Werten aus 2016 zurückgeblieben. Die globalen ETF-Bestände stiegen nur um etwas über 6 Mio. Unzen an. Vermutlich verlor Silber gegenüber dem sich stark entwickelnden Aktienmarkt und anderen spekulativen Vermögenswerten an Attraktivität. Obwohl die Bitcoin-Blase vermutlich geplatzt ist, steigen die Kurse an den Aktienmärkten weiter. Da es in diesem Jahr keine wirklich soliden Preistreiber für Silber gibt, bleibt die physische Investmentnachfrage möglicherweise weiter schwach.

Die Preise für Silber erwarten wir innerhalb einer Bandbreite von 15,25 $/oz bis 18,00 $/oz, wobei der Preis sich ähnlich wie der Goldpreis entwickeln dürfte: stark im ersten und rückläufig im zweiten Halbjahr, da wie bereits erläutert, von einer Erholung des US-Dollars ausgegangen wird.

Angebotskürzungen und eine erhöhte Nachfrage könnten Preise wieder in die Höhe treiben

Angesichts guter Fundamentaldaten wird der Platinmarkt in 2018 ein Angebotsdefizit aufweisen. Das Gesamtangebot wird sich dieses Jahr voraussichtlich moderat rückläufig entwickeln, da das Wachstum im Recyclingbereich die Produktionskürzungen in Südafrika nicht ausgleichen kann. Die Nachfrage nach Platin sollte sich erhöhen, da die Industrienachfrage 2017 wieder an Boden gutmachen kann und der Bedarf der Schmuckindustrie leicht steigen dürfte, während der Platineinsatz in der Autoindustrie den Prognosen zufolge nur leicht sinken wird.

Abgaskatalysatoren sind trotz des Umsatzrückgangs beim Verkauf von Diesel-PKWs immer noch das größte Anwendungsfeld für Platin. Obwohl der Gesamtumsatz an PKW ein Zehnjahreshoch erreichte, war der Rückgang der Verkaufszahlen für Diesel-PKW in Westeuropa ausschlaggebend dafür, dass sich die Platinnachfrage insgesamt verringert hat. Die geringere Nachfrage nach Diesel-PKWs in Westeuropa wird sich 2018 aller Vorrausicht nach fortsetzen, auch wenn der Umsatzrückgang weniger stark ausfallen sollte. Der Ausfall kann jedoch größtenteils durch die zunehmende weltweite Produktion von leichten und schweren Nutzfahrzeugen kompensiert werden, so dass insgesamt die globale Nachfrage aus der Automobilbranche nur geringfügig zurückgehen wird.

Die Schmuckindustrie bildet das zweitgrößte Anwendungsfeld für Platin und die Aussichten für die Nachfrage nach Schmuck sind 2018 im Wesentlichen positiv. Nach einem guten letzten Jahr in puncto Schmucknachfrage in den Industrieländern dürften die Verbraucherausgaben dieses Jahr, aufgrund der fortgesetzten positiven wirtschaftlichen Entwicklung, konstant bleiben, so dass der Schmuckabsatz steigen wird. China ist nach wie vor der größte Markt für Platinschmuck und es ist zu erwarten, dass sich die Nachfrage nach mehreren Jahren rückläufiger Umsätze in diesem Jahr stabilisieren wird. Auch Indien ist ein entscheidender Markt mit einem starken, wenn auch von einem relativ niedrigen Niveau ausgehenden, Wachstum, welches wesentlichen Anteil am weltweiten Anstieg der Nachfrage nach Platinschmuck hat.

Die industrielle Nachfrage dürfte sich in 2018 wieder erholen, da die Verwendung in den Sektoren Glas, Erdöl und Chemie nach einem Rückgang der Investitionen in 2017 wieder zunehmen wird. Die Schließung von Ölraffinerien in Japan im vergangenen Jahr haben den Nettobedarf für Platin temporär reduziert, eine Erholung der Nachfrage ist daher für 2018 zu erwarten.

Die Platinförderung dürfte 2018 um 1 % sinken, da die südafrikanische Produktion den Prognosen zufolge um 2 % schrumpft. Der geringe Produktionsanstieg in Simbabwe und Nordamerika kann nicht viel mehr als den Angebotsrückgang in Russland und anderen Ländern ausgleichen. Recyclingvolumina nehmen in diesem Jahr voraussichtlich leicht zu, da die Menge des aus den Autokatalysatoren zurückgewonnenen Platins aufgrund der höheren Anzahl verschrotteter Automobile weiterhin wächst, während sich das Recycling von Altschmuck kaum ändern sollte.

Der Chart über den Kostenverlauf der südafrikanischen Platinproduzenten zeigt den durchschnittlichen Platinpreis von 2017 in Rand (rote Linie), der im Verhältnis zu den Produktionskosten der einzelnen südafrikanischen Minen dargestellt wird (graue Balken). 2017 erzielte der Markt ein Angebotsüberschuss (orangefarbene vertikale Linie), wird jedoch 2018 in ein Defizit (grüne vertikale Linie) rutschen. Der Platinpreis lag 2017 für viele Minen unter den Produktionskosten. Dieser finanzielle Druck auf die Unternehmen führte zur Schließung einiger unrentabler Minen bzw. Schächte. Die ganzen Auswirkungen der Schließungen werden sich erst 2018 zeigen, wenn der Platinmarkt Prognosen zufolge ein leichtes Defizit aufweisen wird.

Die blaue horizontale Linie im Diagramm zeigt die in Rand umgerechneten Höchst- und Tiefstpreise der für Platin prognostizierten Bandbreite 2018. Der Kurs des Rand wertet 2018 voraussichtlich ab, aber sogar mit einem schwächeren Rand und einem höheren Platinpreis liegt der Preis möglicherweise weiterhin unter dem oberen Ende der Kostenkurve. In diesem Fall geraten weitere Minen in Gefahr geschlossen zu werden, so dass sich das Angebot weiter reduzieren würde.

Die Hauptrisiken für die Platinnachfrage liegen jedoch darin, dass der Schmuckabsatz in China und Indien die Erwartungen nicht erfüllen wird und der Umsatzrückgang an Diesel-PKW in Westeuropa höher ausfällt als erwartet.

Produktionskürzungen könnten den Preisverfall aufhalten, aber die verbesserte Nachfrage dürfte nicht für einen deutlicheren Preiszuwachs ausreichen. Der Platinpreis könnte daher in einer Bandbreite zwischen 860 $/oz und 1.050 $/oz handeln.

Angespannte Marktlage für physisches Palladium

Am Palladiummarkt herrscht seit einigen Jahren ein Angebotsdefizit und es ist nicht zu erwarten, dass sich die Lage in 2018 entspannen wird. Bei einem prognostizierten Defizit von 1 Mio. Unzen (ca. 31 t) werden vorhandene Vorräte weiter sinken, um den Bedarf der Endverbraucher decken zu können.

Die Marktlage ist insbesondere seit Juni 2017 angespannt, als eine Knappheit an Palladiumbarren zu einem sprunghaften Anstieg der Leihezinsen auf weit über 10 % (von rund 3 % im Vormonat) führte und der Preis auf ca. 900 $/oz explodiert ist. Danach gaben die Leihezinsen zwar wieder etwas nach, verharr- ten im restlichen Jahresverlauf aber auf einem hohen Niveau. Im Oktober 2017 durchbrach der Preis zum ersten Mal seit 2001 die Marke von 1.000 $/oz.

Leihezinsen befinden sich nach wie vor auf hohem Niveau und der Terminmarkt befindet sich in einer „Backwardation“, was auf die angespannte Lage am Markt für Palladiumbarren hindeutet. Diese Anspannung könnte weiter anhalten, da die Mehrheit der Anbieter das Metall in Schwammform bereitstellt, da diese Form von Endverbrauchern für die Produktion bevorzugt wird.

Durch die angespannte Marktlage hat der Palladiumpreis Potenzial bis auf 1.170 $/oz zu steigen. Allerdings sind die positiven Nachrichten bei Palladium zum Großteil bereits eingepreist und haben zum aktuellen Rekordniveau geführt. Jede nicht mehr ganz so positive Nachricht könnte daher bereits Gewinnmitnahmen und einen Preisrückgang zur Folge haben. Angesichts des rapiden Anstiegs ist ein Rückgang auf 1.000 $/oz durchaus denkbar und im Falle, dass sich die Marktlage deutlich entspannt, ist ein Preisniveau rund um 900 $/oz möglich.

Das Palladiumangebot wird sich 2018 voraussichtlich kaum verändern, da ein Rückgang des Minenangebots aus Südafrika durch mehr Recyclingvolumen ausgeglichen werden kann. Mehr Fahrzeuge erreichen das Ende ihrer Nutzungsdauer und der hohe Palladiumpreis dürfte das Sammeln und Recyceln der gebrauchten Autokatalysatoren ankurbeln.

Die Nachfrage nach Palladium wird zunehmend vom Automobilsektor beherrscht, der nahezu 80 % der Gesamtnachfrage ausmacht. China, der größte Automobilmarkt, verzeichnet nach wie vor ein rasantes Wachstum des Automobilabsatzes. Ein steuerlicher Anreiz für den Kauf von Kleinwagen wurde Ende 2017 abgeschafft, wodurch einige Käufe vorgezogen wurden, so dass der Markt mit einem verhaltenen Start der Fahrzeugverkäufe im Jahr 2018 rechnet. Dennoch wird für das Gesamtjahr mit einem moderaten Absatzwachstum gerechnet. In den USA, dem zweitgrößten Automobilmarkt, scheint der PKW-Absatz seinen Höhepunkt erreicht zu haben. Für 2018 wird ein leichter Rückgang erwartet. Somit dürfte das kräftige Wachstum der Palladiumnachfrage aus dem Automobilsektor der letzten Jahre, Prognosen zufolge, in diesem Jahr deutlich nachlassen. Die Tatsache, dass ein derart hoher Anteil der Nachfrage vom Automobilmarkt abhängt, könnte sich bei einem unter den Erwartungen bleibendem Fahrzeugabsatz negativ auf den Preis auswirken.

Für die industrielle Nachfrage wird in diesem Jahr ein leichter Rückgang prognostiziert, denn Effizienzsteigerungen lassen die Menge des verwendeten Palladiums weiter sinken, während es in anderen Bereichen, bei denen Palladiumanwendungen benötigt werden, gar kein oder nur ein geringfügiges Wachstum gibt. Die Nachfrage nach Palladiumschmuck ist aufgrund des gestiegenen Palladiumpreises in den letzten Jahren merklich gefallen, und auch in diesem Jahr wird der hohe Preis die Kauffreude weiter dämpfen.

Das Risiko von Produktionskürzungen könnte 2018 zu größeren Preisschwankungen führen

Die Lage am Rhodiummarkt wird 2018 voraussichtlich angespannt bleiben. 2017 kam es zu einem leichten Angebotsüberschuss, der zum Teil für den Vorratsaufbau verwendet wurde. Im Gegensatz dazu wird 2018 ein Marktgleichgewicht erwartet. Die Leihezinsen sind hoch, was auf ein eher knappes Angebot an physischem Rhodium hindeutet und höhere Preise unterstützt. Die in China im letzten Jahr aufgebauten Vorräte könnten die Nach- frage aus dieser Region jedoch drücken, davon ausgehend erwarten wir eine Handelsspanne in einer Bandbreite von 1.400 $/oz bis 2.100 $/oz.

Die Nachfrage nach Rhodium wird von der Automobilbranche beherrscht, die Verwendung in Autokatalysatoren macht mehr als 80 % der Gesamtnachfrage aus. In Industrieländern wird für 2018 ein niedrigerer Rhodiumverbrauch im Automobilsektor erwartet, da in einigen Ländern mit geringeren Absätzen gerechnet wird, während China und andere Schwellenländer einen höheren Bedarf verzeichnen dürften. Die chinesische Abgasnorm (China 5) wird in diesem Jahr auf das ganze Land ausgeweitet, was zu höheren Metallbeladungen bei Autokatalysatoren und einer steigenden Nachfrage nach Rhodium führen wird. Insgesamt wird jedoch davon ausgegangen, dass die Automobilnachfrage 2018 weltweit voraussichtlich leicht zurückgehen wird. Die Abhängigkeit vom Automobilsektor könnte sich, was den Preis angeht, als Schwachstelle erweisen, weil enttäuschende Fahrzeugabsätze die Nachfrage belasten würden.

Der industrielle Verbrauch von Rhodium außerhalb der Autoindustrie wird 2018 vermutlich steigen, weil für die Glasherstellung mehr Metall benötigt wird und auch der Verbrauch in der Chemiebranche leicht anziehen dürfte.

Das Rhodiumangebot aus der Minenproduktion kommt in ers- ter Linie aus Südafrika und da Rhodium bei der Förderung von Platin anfällt, werden die Produktionskürzungen, die 2017 erfolgten, dieses Jahr zu einem Rückgang der Rhodiummengen führen. In anderen Regionen, die Rhodium in der Primärgewinnung erzeugen, wie Nordamerika, Russland und Simbabwe, wird 2018 mit einer unveränderten Produktion gerechnet. Ein Risiko für einen stärkeren Preisanstieg besteht in weiteren Produktionskürzungen von unprofitablen Platinminen in Südafrika, die sich wiederum auf die Rhodiumproduktion auswirken würden.

Die PKWs, die Mitte der 2000er Jahre in den Markt gebracht wurden, als die Rhodiumbeladungen relativ hoch waren, erreichen das Ende ihrer Nutzungsdauer, so dass in diesem Jahr voraussichtlich mehr Rhodium aus verbrauchten Katalysatoren zurückgewonnen wird.

Robuste Nachfrage stützt Rutheniumpreis

Im ersten Quartal 2017 veränderten sich die Rutheniumpreise kaum; das änderte sich aber als im April ein Anstieg um über 60 % erfolgte. Die Preisrally wurde vermutlich durch die Ankündigung einer südkoreanischen Universität über einen Ruthenium-Katalysator, der Wasser in Wasserstoff spalten kann und dessen Wirkung fast ebenso gut ist, wie bei dem Einsatz des deutlich teureren Platins. Über kommerzielles Interesse an dem Katalysator wurde Ende August 2017 aus den USA berichtet.

Ruthenium hat sich in Katalysatoren für mehrere Brennstoffzellen- und Elektrolyseanwendungen als sehr kosteneffizient und wirksam erwiesen. Die breitere Nutzung erneuerbarer Energie in dieser Art und Weise ist ein wichtiger globaler Trend, der den Rutheniumverbrauch voraussichtlich stützen wird.

Festplatten sind seit langem ein wichtiger Markt für Ruthenium und bieten nach wie vor einen überzeugenden $/GB-Vorteil gegenüber Solid-State-Geräten. Das von Western Digital im Ok- tober bekannt gegebene MAMR-Verfahren (Microwave-Assisted Magnetic Recording) schien die wichtige Rolle von Ruthenium in zukünftigen Festplatten mit höherer Speicherdichte zu bestätigen. Im Anschluss an die Ankündigung stieg der Preis bis Anfang Dezember von 78 $/oz auf 200 $/oz an.

Chip-Widerstände, die mittlerweile in Elektronikprodukten allgegenwärtig sind, werden voraussichtlich ein wichtiger Markt für Ruthenium bleiben und den Preis unterstützen. Der Markt für Chip-Widerstände weist eine gewisse Volatilität auf und die aktuellen Engpässe werden wahrscheinlich durch neue Kapazitäten gelöst. Es dürfte anschließend zu einem entsprechenden kurzfristigen Rückgang der Nachfrage kommen. Die zunehmende Nachfrage nach Chip-Widerständen und den entsprechenden Komponenten geht in erster Linie vom Computermarkt, aber auch vom Automobilmarkt aus, wobei der Komponentengehalt pro Fahrzeug schneller wächst als die Fahrzeugproduktion.

Die steigende Nachfrage und Verwendung auf einem der Hauptmärkte wird die Preisentwicklung 2018 unterstützen. Ruthenium dürfte sich demzufolge in einer Preisspanne zwischen 165 $/oz und 275 $/oz bewegen.

Zyklischer Anstieg der Industriekapazität stützt die Nachfrage

Der Preis von Iridium stieg in der ersten Jahreshälfte 2017 um 45 %, von 685 $/oz auf 990 $/oz bis Mitte Juli 2017.

Iridium ist nach wie vor ein wichtiger Bestandteil der Elektrodenbeschichtungen in industriellen Elektrolyseanwendungen, z. B. bei der unvermeidbaren zyklischen globalen Chloralkalielektrolyse. In den letzten beiden Jahren wurden Betriebsstätten von dem älteren, weniger umweltverträglichen (Diaphragma-)Prozess auf den neueren Iridium haltigen (Membran-) Prozess umgerüstet, was den Kapazitätsausbau unterstützte und die Nachfrage nach Iridium ankurbelte. Mehrere alte Fabriken wurden gegen Ende 2017 geschlossen. Sollten deren Kapazitäten durch den neu- en Membranprozess ersetzt werden, kann dies zu zusätzlicher Nachfrage nach Iridium in 2018 führen. Die Bestellungen von Iridium-Tiegeln für die Einkristallzucht (vor allem Lithiumtantalat für akustische Oberflächenwellenfilter (AOW für Smartphones und ähnliches) gingen im ersten Quartal 2017 aufgrund von Be- standsanpassungen bei chinesischen Smartphones zurück, verzeichneten aber im zweiten Quartal wieder ein Wachstum. Einige der Hauptproduzenten von Kristallmaterialien planen, die Produktionskapazität für Kristalle 2018 auszubauen, was zu einem moderaten Anstieg der Nachfrage nach Iridium-Tiegeln führen dürfte. Grund dafür ist die wachsende Nachfrage nach AOW-Filtern, die voraussichtlich auch 2018 weiter anziehen wird, weil der AOW-Filter-Gehalt in Telefonen aller Preisklassen steigt.

Das Kapazitätswachstum in einigen der Schlüsselmärkte für Iridium wird die Preise 2018 vermutlich unterstützen. Sie dürften sich in einer Handelsspanne von 850 $/oz bis 1.100 $/oz bewegen.

Dieses Dokument ist ausschließlich für den Empfänger bestimmt. Hierbei wird davon ausgegangen, dass es sich bei dem Empfänger um einen professionellen Marktteilnehmer des Edelmetallmarktes handelt. Das Dokument richtet sich ausschließlich an Unternehmer und ist ausdrücklich nicht zur Verwendung durch Verbraucher bestimmt.

Die Inhalte dieses Dokuments berücksichtigen nicht die individuellen Anlageziele, die finanzielle Situation oder den besonderen Bedarf eines bestimmten Empfängers oder einer bestimmten Organisation. Dieses Dokument wird nicht im Rahmen einer Vertragsbeziehung zur Verfügung gestellt. Es ist weder ein Verkaufsangebot noch eine Aufforderung zur Abgabe eines Kaufangebots oder zur Zeichnung einer Investition noch eine Beratung über die Vorzüge einer Anlage.

Diesem Dokument liegen Informationen aus Quellen zugrunde, die Heraeus und SFA (Oxford) Ltd ("SFA") für vertrauenswürdig erachten, die sie jedoch nicht selbständig verifiziert haben. Darüber hinaus stellen die in diesem Dokument wiedergegebenen Analysen und Einschätzungen, einschließlich aller zukunftsgerichteter Aussagen, eine Beurteilung zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Dokuments dar und können ohne Vorankündigung geändert werden. Es gibt keine Gewähr, dass zukunftsgerichtete Aussagen eintreten werden. SFA und Heraeus übernehmen daher keine Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der in diesem Dokument enthaltenen Daten und Analysen.

Heraeus und SFA übernehmen keine Haftung für Schäden oder Verluste jedweder Art und jedweder Ursache, die durch die Verwendung oder das Vertrauen auf die in diesem Dokument enthaltenen Informationen entstehen. Soweit jedoch ein Haftungsanspruch nach deutschem Recht besteht, haften Heraeus und SFA unbegrenzt für vorsätzliche oder grob fahrlässige Pflichtverletzungen.

Soweit nicht ausdrücklich gesetzlich erlaubt, dürfen die Inhalte dieses Dokuments ohne schriftliche Genehmigung von Heraeus weder vervielfältigt noch an Dritte weitergegeben werden. Heraeus untersagt insbesondere die Verbreitung und Weitergabe dieses Dokuments über das Internet oder in anderer Weise an nicht-professionelle oder private Anleger. Heraeus und SFA übernehmen keinerlei Haftung für Handlungen Dritter, die im Vertrauen auf dieses Dokuments vorgenommen werden.

nach oben