Neil Armstrong: Commander Cool

Seit Jahrzehnten wird darüber gerätselt, ob der berühmteste Satz des 20. Jahrhunderts tatsächlich von Neil Armstrong stammt. Als der Astronaut am 21. Juli 1969 den Mond betritt, sagt er: „Dies ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer für die Menschheit.“ Kaum jemand, der den Astronauten auf einer der vielen NASA-Pressekonferenz erlebt hat, kann sich erklären, wie ausgerechnet dieser Mann, der alle Fragen so trocken und farblos beantwortet, auf einmal einen solch genialen Satz für die Ewigkeit über seine Lippen bringt. Armstrong galt als extrem cooler Ausnahmepilot, aber nicht als Mensch großer Worte. Doch tatsächlich dürfte der Jahrhundertsatz von ihm stammen.

Als Kind baut Armstrong seinen eigenen Windkanal

Neil Armstrong: Commander Cool
Quelle: Getty Images

Wie Aldrin und Collins wird Armstrong im Jahr 1930 zur Zeit der Großen Depression geboren. Im Gegensatz zu zu den Vätern seiner späteren Gefährten ist sein Vater kein Militär – sondern Bilanzprüfer beim Bundesstaat Ohio. In seiner Kindheit und Jugend zieht die Familie deshalb 16-mal um, bis sie wieder in seiner Heimatstadt Wapakoneta ein Haus bezieht. Neil ist zwar scheu und zurückhaltend, was er auch sein Leben lang bleiben wird, aber er findet rasch überall enge Freunde. Als Fünfjähriger besteigt er erstmals ein Flugzeug. Zusammen mit seinem Vater unternimmt er einen atemraubenden, unvergesslichen Rundflug über der Stadt, in der sie leben. Während der Vater sich vor einem Absturz ängstigt, genießt der Sohn seelenruhig die Welt von oben.

Fortan beflügeln Flugzeuge die Fantasie des neugierigen Jungen. Bald baumeln unzählige Papiermodelle an Schnüren in seinem Kinderzimmer. Neil baut sogar einen Windkanal, um damit herauszufinden, wie die schnittigste Flugzeugform aussehen sollte. Auch sonst zeigt sich seine Intelligenz: Er überspringt die dritte Klasse und bei den Pfadfindern steigt er zum Eagle Scout auf, dem höchsten Rang.

Mit 15 Jahren beginnt er mit Flugstunden, die er fortan mit Nebenjobs finanziert. Die Pilotenlizenz wird ihm an seinem 16. Geburtstag ausgehändigt. Autofahren darf er zwar noch nicht, allerdings ein Flugzeug fliegen schon. Wenn er seiner Mutter von seinen Erlebnissen im Himmel berichtet, zeigt er sich dabei jedes Mal verblüffend nüchtern bis emotionslos. Nie ist er enthusiastisch. Und noch viel später, als Kampfpilot in Korea, kontrolliert er seinen Puls selbst bei heikelsten Manövern.

Armstrongs Kühnheit kostet ihn fast das Leben

Sein Studium finanziert Neil Armstrong mit einem Stipendium der Marine. Dafür unterschreibt er einen dreijährigen Militärdienst. Er studiert Luftfahrttechnik, wird erst Kampfflieger und dann Testpilot. Unterdessen heiratet er seine Jugendliebe Janet, mit der er zwei Söhne hat. Zum frühen Tod seiner Tochter, die gerade zwei Jahre alt wurde, wird er sich nie äußern. Auch über das eigene Ende sinniert er nicht. Als er kurz vor seinem Flug zum Mond gefragt wird, wie hoch er seine Chancen einschätzt, das Abenteuer zu überleben, sagt er trocken: „An den Tod denken wir lieber nicht.“ Er wäre nicht der erste Tote der NASA. Ohnehin hätte es ihn gut ein Jahr vor seinem Flug zum Mond beinahe erwischt: Er übt mit einem kaum zu lenkenden Fluggerät, von den Astronauten „das fliegende Bettgestell“ genannt, das plötzlich in der Luft zu trudeln beginnt. Erst im allerletzten Moment betätigt Armstrong den Schleudersitz, schwebt mit Fallschirm sicher zu Boden und sitzt bald wieder seelenruhig am Schreibtisch. Die Coolness scheint ihm im Blut zu liegen. Bereits in seinem Schuljahrbuch steht über ihn ein kurzer, aber prägnanter Satz: „Er denkt, er handelt, es ist getan.“

Quelle: NASA
Quelle: NASA

Michael Schattenmann

Global Head of Storytelling & Marketing

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