FAQ Infektionen & Antibiotika

Infektionen

Nach Einsetzen einer Prothese kann es zu Infektionen kommen, die oft schwierig zu diagnostizieren sind. Man unterscheidet akute, kurz nach der Operation auftretende Frühinfektionen, verzögerte, i.d.R. chronisch verlaufende Infektionen sowie späte Infektionen, die meist wieder einen akuten Verlauf zeigen.

Eine periprothetische Infektion (PPI, auch "Protheseninfektion" genannt) äußert sich in der Regel in andauernden oder zunehmenden Gelenkschmerzen sowie einer frühen Prothesenlockerung.

Frühinfektionen, die innerhalb von bis zu drei Monaten postoperativ auftreten, entstehen meist als Wundinfektionen mit akuten lokalen und systemischen Infektionszeichen. Verzögerte Infektionen, die bis zu 24 Monate nach der OP vorkommen können, sind ebenfalls meist intraoperativ entstanden und auf langsam wachsende Keime zurückzuführen. Späte Infektionen können zu jedem Zeitpunkt, auch viele Jahre nach Prothesenimplantation auftreten. In diesen Fällen erfolgt die Infektion durch eine Streuung der Bakterien von einem entfernten Infektionsort, also i.d.R. über die Blutbahn (hämatogen).

Als Faustregel gilt für chronische Infektionen:
Je später sie auftritt, desto schwieriger ist oft eine Diagnose und Behandlung, da die klassischen Entzündungszeichen und deutlich höheren Laborwerte in der Regel fehlen. Zudem bilden die Bakterien meistens hartnäckige Biofilme.

Zur Diagnostik ist eine Kombination verschiedener Methoden notwendig:

  • die Aspiration der Gelenkflüssigkeit (Punktion)
  • die Biopsie von Gewebeproben an verschiedenen Stellen
  • die Sonikation (Ultraschallreinigung) der entnommenen Prothese zu Biofilmablösung

Die Therapie einer Protheseninfektion umfasst neben radikaler chirurgischer Entfernung des infizierten und abgestorbenen Gewebes die systemische und lokale Gabe von Antibiotika - idealerweise in Kombinationspräparaten. Vor einer Therapie sollte ein Biofilm-spezifisches Antibiogramm angefertigt werden.

Die Bestimmung von Erreger und Antibiotikaresistenz bzw. -empfindlichkeit stellt gerade bei langsam wachsenden Erregern hohe Anforderungen an die klinische Mikrobologie.

Eine nosokomiale Infektion (umgangssprachlich: "Krankenhausinfektion") ist eine Infektion, die während oder kurz nach einem Krankenhausaufenthalt oder nach einer ambulanten Behandlung auftritt. Zu den wichtigsten nosokomialen Erregern gehören Bakterien, Viren und Pilze.

Krankenhäuser und Arztpraxen, die mit vielen infizierten Patienten umgehen, sind trotz größter Anstrengungen nicht 100%ig keimfrei zu halten, zumal viele Bakterien sehr widerstandsfähig sind und auch Alltagsgegenstände und medizinische Geräte besiedeln. Dementsprechend sind häufige Infektionsquellen neben anderen Patienten und Klinikpersonal auch Gegenstände wie Türklinken oder Waschbecken ebenso wie Schläuche, Katheter, Beatmungsgeräte usw. Eine Kontaktinfektion ist ebenso möglich wie die Übertragung durch die Luft. Entscheidend in der Reduzierung nosokomialer Infektionen ist eine gute Hygiene, sprich eine sorgfältige Desinfektion oder Sterilisation.

Für gesunde Personen mit intakter Immunabwehr (Pflegepersonal, Ärzte, Besucher) stellen diese Krankenhauskeime gewöhnlich kein Risiko dar. Ein höheres Risiko besteht für Patienten, wenn Geräte oder Implantate in den Körper eingebracht werden. Besonders gefährdet sind immungeschwächte Patienten. Postoperative Wundinfektionen gehören zu den am häufigsten vorkommenden nosokomialen Infektionen.

Schon für die Therapie einfacher bakterieller Infektionen muss entsprechend des vorliegenden Keims die Art der Behandlung, sprich die Auswahl des passenden Antibiotikums, sorgfältig gewählt werden. In jedem Fall bedarf es einer exakten Diagnose der zugrundeliegenden Bakterien.

Bei der Behandlung von Infektionen mit resistenten Keimen ist ein Großteil der Antibiotika eingeschränkt oder gar nicht wirksam. In der Regel werden dann sogenannte Reserveantibiotika eingesetzt. Diese sollten nur bei besonders schweren Infektionen eingesetzt werden und/oder wenn die infektiösen Bakterien Resistenzen gegen andere Antibiotika entwickelt haben. Reserveantibiotika sind keineswegs besser wirksam als Standardantibiotika. Häufig haben sie erhebliche Nebenwirkungen. In Deutschland werden sie dennoch zu häufig und auf Verdacht verschrieben, obwohl ingesamt der Trend zur Verschreibung von Antibiotika rückläufig ist.
Hintergrundinformationen finden Sie hier .

Unter dem Oberbegriff Antiinfektiva versteht man Arzneimittel zur Behandlung von Infektionskrankheiten. Je nach Art des Erregers unterscheidet man:

  • Antibiotika (gegen Bakterien)
  • Antimykotika (gegen Pilze)
  • Anithelminthika (gegen Würmer)
  • Antiprotozoika (gegen Protozoen wie die Erreger von Malaria, Ruhr, usw.)
  • Virostatika (gegen Viren)
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